Das Auto- und Mobilitäts-OnlineMagazin
Zum Autofahren – rennmäßig und ganz generell – hat Reini Sampl eine besondere Beziehung
Wenn Reini mal nicht (motor)sportelt, macht er Winterfahrtrainings im Thomatal und Muhr
Vor zwei Jahren fuhr Sampl das Catcher Car beim Wings for Life WorldRun
2016 belegte Sampl bei den M1 Rallye Masters Platz eins
Die Handgas-Steuerung, die der Rennfahrer zum Gas geben und Bremsen verwendet
Motorsport in allen Lebenslagen ist die Leidenschaft Sampl´s

Präzise Handarbeit

Reini Sampl ist ein Tausendsassa. Nach seiner Monoski-Karriere geht er im Rallye-Sport auf, macht Winterfahrtrainings und ist Tester und Berater im Bereich Fahrhilfen für Audi. Dass er seit einem Trainingssturz beim Skifahren im Rollstuhl sitzt, ist nicht mehr als eine Randnotiz, denn Sampl setzt zielorientiert all das um, was ihm Spaß macht.

14.03.2019 von Marian Kröll

„Wenn es einmal soweit ist, will ich nicht auf mein Leben zurückblicken und mir denken, hätte ich doch damals ...“

Ein Herbsttag auf der Nockalmstraße. Zu hören ist nur ein ohrenbetäubendes Dröhnen. Ein satter Sound, der von einem Aggregat herrührt, das noch frei atmen darf und über ordentlich Hubraum verfüg. Dann der Cut. Plötzlich schießt, wie aus dem Nichts, ein weißer Audi R8 um die Kurve. Genau gesagt ein 610 PS starker Audi R8 V10 plus. Hinter dem Volant sitzt Reini Sampl. Er jagt das Auto mit lässigen, einhändigen Lenkbewegungen durch die engen Kurven. Mit links. Das macht Sampl nicht, weil es locker aussieht oder gar aus Leichtsinn. Seit einem Skiunfall ist der Salzburger querschnittgelähmt. Behindern lässt er sich davon aber nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. „Wir fahren da mit 150 den Berg hoch, wo es auf der Seite ziemlich runtergeht“, sagt Niki Schelle, der Moderator des Motormagazins Grip, der am Beifahrersitz Platz genommen und während der rennmäßigen Fahrt schon mehrmals die Gesichtsfarbe gewechselt hat. „Der Reini fährt mit einer Hand, lenkt mit der anderen, gibt Gas, bremst. Ich zieh’ den Hut“, ist Schelle baff ob der chirurgischen Präzision, mit der Sampl sein Gefährt steuert. „Ein bisschen untersteuern über alle vier Räder, aber das bist du vom Rallyefahren ohnehin gewohnt“, merkt Sampl in Richtung Schelle an und lacht verschmitzt. „Ich kenne mich ja selbst ein bisschen aus und muss sagen, den Job, den er da gemacht hat, das ist Wahnsinn! Respekt, Reini!“, resümiert Schelle sein Fahrerlebnis an Sampls Seite.

Der Lungauer hängt an seinem Boliden mit dem Kennzeichen TA RS1, an dem er nach eigenem Bekunden „die zeitlos schöne Form, den mega-coolen, nun leider selten gewordenen 10-Zylinder-Sauger-Sound und selbstverständlich das Mittelmotor-Konzept“ liebt.

Mit der Herausforderung wachsen

Seit einem schweren Trainingssturz im Winter 1996 hat sich Reini Sampls Leben schlagartig verändert. Sampl hebt ab, springt ins Flache. Der elfte und zwölfte Brustwirbel bricht. Von dieser Zäsur lässt sich der Sportler aber nicht davon abhalten, sein Leben in die Hand zu nehmen und weiterhin unbeirrt das zu tun, was ihm Spaß und Erfüllung bringt. „Die Tapferen leben vielleicht nicht ewig, aber die Übervorsichtigen leben überhaupt nicht!“ Dieser Spruch steht prominent auf der Website des Salzburgers. Das klingt im ersten Moment nach einer risikofreudigen Kampfansage, die Sampl auf Nachfrage etwas relativiert: „Das heißt sicher nicht, dass ich unnötige und dumme Risiken eingehe, sondern im Rahmen meiner Möglichkeiten alles umsetze, was mir Spaß macht. Wenn es einmal soweit ist, will ich nicht auf mein Leben zurückblicken und mir denken, hätte ich doch damals … Und das gelingt mir, wie ich glaube, ganz gut!“

Mobilität ist Selbständigkeit

Zum Autofahren – rennmäßig und ganz generell – hat Sampl eine besondere Beziehung: „Als Rollifahrer bedeutet Autofahren für mich zunächst einmal, mobil zu sein und damit selbständig. Und das ist Lebensqualität.“ Im Motorsport, konkret bei der Rallye, verschiebt er Grenzen: „Die Herausforderung besteht darin, mit dem Arbeitsgerät eins zu werden und die technischen Möglichkeiten des Autos bestmöglich zu nutzen. Wenn das funktioniert, bildet man als Fahrer mit dem Auto eine Einheit. Das ist richtig cool.“

Zum Rennfahrer macht einen diese Fähigkeit noch nicht. Dazu muss man nicht nur sein Fahrzeug, sondern auch die Umgebung richtig einschätzen können: „Es geht vor allem darum, den Untergrund im Verbindung mit dem Kurvenradius und Speed richtig einschätzen zu lernen. Und das Ganze noch in Beziehung mit dem technischen Grenzbereich des Autos zu setzen. Passt diese Kombination, dann ist man auch schnell, und das nicht nur bis zur ersten Kurve.“

Haftungsfragen

Wenn Sampl nicht gerade (motor)sportelt, macht er Winterfahrtrainings im Thomatal und in Muhr. Dabei bringt er Normalverbrauchern bei, wie sie sich auf dem glatten Parkett namens Schneefahrbahn zu verhalten haben, um ihr Fahrzeug zu jeder Zeit unter Kontrolle zu haben. Das größte Handicap sei die Selbsteinschätzung bzw. -überschätzung, erklärt Sampl: „Es fehlt ganz eindeutig an der richtigen Selbsteinschätzung. Das kann man gar nicht genug betonen. Der Speed des Autos muss im Verhältnis zur Haftung stehen. Auf Schnee und Eis hat man nur etwa ein Zehntel der Bodenhaftung im Vergleich zum Asphalt. Mit diesem Wissen kann man sich die angemessenen Geschwindigkeiten leicht ausrechnen.“

Wenn man bei Straßenglätte einmal leicht aus der Spur gerät, ist nicht etwa der Gasfuß gefragt, sondern der richtige Umgang mit der Bremse. Denn, so lernen wir vom Profi, beim Bremsen wird die Lenkachse belastet, was das Fahrzeug manövrierbarer macht. Wo Traktion gefragt ist, ist der Allradantrieb für Reini Sampl das Mittel der Wahl: „Der Allrad generiert einfach am meisten Vortrieb.“

Große Momente

Vortrieb generiert auch Sampl mit seinen vielen Projekten mehr als ausreichend. So auch heuer: „In dieser Saison werde ich zum einen wieder mit dem Audi TTS M1 Rallye ÖM fahren, zum anderen auch die neue Europa Rallye Cross Serie von Max Pucher, die mit vielen internationalen Stars aufwartet. Außerdem ist ein kleines Nordschleifen-Projekt mit Audi in Planung und ein Einsatz auf einem KTM GT4 mit Werner Gröbel aus Graz steht ebenfalls im Raum.“ Langeweile wird bei Sampl wohl so schnell nicht aufkommen.

Die Handgas-Steuerung, die der Rennfahrer zum Gas geben und Bremsen verwendet, lässt sich bei Audi übrigens bequem im Konfigurator auswählen und bestellen. Die Erfahrung bringt es mit sich, dass Sampl sich immer berechenbarer an den Grenzbereich herantasten kann. „Die Big Moments werden dadurch in der Rallye weniger“, meint der Lungauer. Doch davon gibt es bei Reini Sampl ohnehin noch genügend.