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Sportliche Fahrleistungen, alltagstaugliche Reichweite, optisches Understatement

Jo e!

Sportliche Fahrleistungen, alltagstaugliche Reichweite, optisches Understatement. Mehr kann man sich von einem Elektroauto heutzutage kaum wünschen. Mit dem e-Niro bringt Kia einen rundum gelungenen Stromfresser an den Start, mit dem die im Elektrokosmos grassierende Reichweitenangst passé ist.

05.06.2019 von Marian Kröll

Kia e-Niro

Motor: Permanentmagnet-Synchron-Elektro

Leistung: 150 kW/204 PS

Drehmoment: 395 Nm

Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 7,8 sec

Spitze: 167 km/h

Testverbrauch: Reichweite rund 400 Kilometer

Spaßfaktor: 7 von 10

Preis: ab 39.090 Euro

Es ist nur logisch, dass Hollywoodgröße Robert De Niro Werbung macht. Unter anderem für den neuen Kia e-Niro. Die Beiden heißen schließlich im Nachnamen fast gleich. Man kann aber auch für unaufdringlichen, unprätentiösen Nicht-Tesla  werben, ohne dafür bezahlt zu werden. Die Koreaner gehen optisch nicht damit hausieren, dass unter der Haube kein Verbrennungsmotor werkt. Von vorne deutet lediglich die abgedeckte Kühlerhaube darauf hin. Dort befindet sich auch die Ladeklappe.

Reichlich Reichweite

Das größte Asset des Koreaners ist aber die überdurchschnittliche Reichweite, die sich etwa Konkurrent Tesla sehr, sehr gut bezahlen lässt. Aber nicht nur in puncto Reichweite, auch in Sachen Verarbeitung braucht sich der e-Niro nicht vor der Konkurrenz aus dem Silicon Valley zu verstecken. Ganz im Gegenteil: Bei der Fertigung sind die Kia-Leute entschieden intoleranter, und das ist gut so. Am Innenraum gibt es bis auf die etwas ausufernde Knopf- und Schaltervielfalt am Lenkrad fast nichts zu mäkeln. Gesessen wird bequem, gelenkt recht direkt und bei eingeschaltetem Fahrzeug ist nur ein kaum wahrnehmbares elektrisches Surren zu vernehmen. Aber auch nur dann, wenn es draußen ruhig ist und das Radio schweigt.

Von fein bis brachial

Die Fahrdynamik ist stromgetrieben typisch und macht fahrwerksbedingt gar nicht wenig Spaß. Über das Gaspedal lässt sich der Strom fein dosiert an die Straße abgeben. Tritt man das Pedal voll durch, entfaltet der Kompakt-SUV mit seinen 204 PS und 395 Newtonmetern Drehmoment richtig guten Zug zum Tor. Schaltete man dann auch noch die Traktionskontrolle aus, gehen dem von außen unspektakulär und relativ brav aussehend e-Niro schön die Gäule durch. Ein ideales Gerät, um bei Ampelstarts verdutzten Verbrennern den nicht vorhandenen Auspuff zu zeigen.

Laut Werksangaben verbraucht der Gute auf 100 Kilometern rund 15,9 Kilowattstunden. Mit dem 64 Kilowattstunden großen Akku soll man damit laut WLTP-Standard 455 Kilometer weit fahren können. Ein nicht unrealistischer Wert. Dazu tragen neben dem Rekuperationssystem, das Bremsenergie in elektrische zurückwandelt, auch durchdachte Systeme wie „Driver only“ in der Heizungssteuerung bei. Die Fahrmodi lassen sich bequem und intuitiv über einen Knopf in der Mittelkonsole wählen. Außerdem verfügt der Akku über ein aktives Thermalmanagement, weshalb ihm geringe Außentemperaturen untypisch wenig anhaben können.

Ladeleid

In der Ladung scheiden sich die Geister. Der e-Niro ist prinzipiell schnellladefähig und kann theoretisch eine 100-kW-Ladeleistung aufnehmen. Damit würde sich eine Ladung von 20 auf 80 Prozent in knapp über 40 Minuten erledigen lassen. An der heimeigenen Steckdose dauert das satte 18 Stunden. Aus den heimischen Steckdosen kommt nämlich nur einphasiger Wechselstrom mit maximal etwas über zwei Kilowatt. Mit einer sogenannten Wallbox ließe sich Abhilfe schaffen, dann gehen nämlich 7,2 kW rein und die Ladung von 20 auf 80 Prozent gelingt in rund sechs Stunden. Klar, Benzin oder Diesel tanken geht schneller, aber insgesamt bringt der Stromer seine PS gut auf die Straße. Kia ist eine runde Sache gelungen, wie man zukünftig auf den heimischen Straßen noch zur Genüge besichtigen wird können.