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„Für mich war es eigentlich immer schon klar, dass ich einmal hier übernehmen würde. Anderes stand nie zur Debatte.“

Tres Schick

David Harrasser war 24, als er das elterliche Autohaus Schick in Schwaz übernommen hat. Davor hat er alle Unternehmensbereiche durchlaufen und die Mechanikerlehre absolviert. Was ihn antreibt und was 2020 bringen könnte, erklärt der Geschäftsführer im Gespräch.

14.04.2020 von Bruno König

„Tirol ist ein Bundesland, aus dem das Auto und der Individualverkehr nicht wegzudenken sind," David Harrasser

Wo liegen die Wurzeln des Autohaus Schick, dessen Geschicke Sie als Geschäftsführer lenken?

David Harrasser: Meine Eltern haben das Unternehmen 1987 als Zwei-Mann-Betrieb gestartet. Damals noch als Markenwerkstätte mit Daihatsu, wenige Jahre später kam dann die Marke Peugeot ins Haus. Mit Peugeot ist das Unternehmen gewachsen und auch ich bin gewissermaßen im Unternehmen aufgewachsen. Es liegt in der Natur der Sache, dass man von Kindesbeinen an in den elterlichen Betrieb hineinschnuppert. Für mich war es eigentlich immer schon klar, dass ich einmal hier übernehmen würde. Anderes stand nie zur Debatte. Ich wurde aber nie in diese Richtung gezwungen. Das war eine logische Entwicklung. Ich habe auch hier im Betrieb die Lehre zum Mechaniker gemacht.

Was bringt Ihnen die Lehre heute in Ihrer Position als Geschäftsführer?

Es bringt ein gewisses Know How. Man muss nicht der beste Mechaniker sein, aber es ist wichtig, als Geschäftsführer einen gewissen Einblick in alle Unternehmensbereiche zu habe. Ich habe dementsprechend in jeder Abteilung einmal einige Monate gearbeitet. Das hilft dabei, das Gesamte besser einschätzen zu können.

Haben Sie heute noch manchmal einen Schraubenschlüssel in der Hand?

Nein, das ist nicht mehr der Fall.

Wie ging es nach der Lehre weiter?

Als zweiten Beruf habe ich danach noch den Einzelhandelskaufmann gemacht und habe nach diesen zwei Lehren in den Verkauf gewechselt. Dort konnte ich mich mit den Bedürfnissen der Kunden vertraut machen und wir konnten uns wechselseitig kennenlernen. Im September 2014 habe ich dann mit 24 Jahren das Unternehmen als Geschäftsführer und Gesellschafter übernommen.

Das ist ein sehr jugendliches Alter. Wie war das damals für Sie?

Das war vermutlich nicht die einfachste Variante. In manchen Situationen ist es kein Vorteil, so jung zu sein. Wenn man aber beweisen kann, dass man das nötige Know How und Durchsetzungsvermögen hat, dann ist das Alter kein Problem mehr, das einen daran hindert, etwas zu erreichen. Ich kenne das Unternehmen, bilde mich aber ständig weiter. Ich war beim ersten Anlauf der FH Kufstein zur Zertifizierung zum Automobilverkäufer und in der Folge zum akademische Automobilmanager dabei. Auch das hat mich weitergebracht.

Was bringt das im Tagesgeschäft?

Ich habe einen Überblick bekommen, wie verschiedene Prozesse in anderen – größeren wie kleineren – Betrieben ablaufen und welche ich für meinen Betrieb anpassen kann. Ich habe neue Perspektiven bekommen, viel Input für die Zukunft.

Wie sieht es in der Personalentwicklung aus?

Als ich übernommen habe, waren wir 14 Leute, darunter sechs Mechaniker. Es springen natürlich nicht alle auf den Zug auf, wenn jemand anderer, der einige Dinge vielleicht anders macht und verändert, das Unternehmen übernimmt. Mittlerweile sind wir auf 20 Personen angewachsen. Auch deshalb, weil unsere Marken Peugeot und Citroën sich in den letzten Jahren marktanteilsmäßig gut entwickelt haben und Neukunden gewinnen konnten.

Wo wollen Sie mit dem Betrieb in den kommenden Jahren hin?

Den derzeitigen Standard zu halten ist unser vorrangiges Ziel, weil wir in den letzten drei Jahren stark gewachsen sind. Wir wollen unser Potenzial ausschöpfen und gehen davon aus, dass wir uns jedes Jahr um einige Prozentpunkte steigern können.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung Ihrer Marken?

Wir sind mit der positiven Entwicklung der Marken zufrieden. Je besser der Hersteller ist, umso mehr fordert er von den Autohäusern. Das ist keine Einbahnstraße. Die Auflagen vonseiten der Hersteller werden größer, die Forderungen sind nicht immer leicht zu erfüllen. Wir sind aber sicher für die Zukunft speziell mit Peugeot sehr gut aufgestellt, haben eine tolle Hybridpalette, die heuer auf den Markt kommt und sind auch bei der Elektromobilität gerüstet.

Über letztere wird extrem viel diskutiert. In den Zulassungsstatistiken bildet sich dieser Stellenwert aber noch nicht ab. Erwarten Sie, dass die Elektromobilität jetzt tatsächlich Traktion bekommt?

Definitiv. Sie muss, weil die Hersteller sonst die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele verfehlen würden. Das geht nur mit Elektroautos. Der PSA-Konzern will keine Strafen in Milliardenhöhe bezahlen und will daher verstärkt Elektroautos verkaufen.

In welche Richtung geht Peugeot dabei?

Wir haben Plug-In-Hybriden bekommen, den 3008, den 508er. Das ist auch sinnvoll. Natürlich sind diese Autos nicht allein aus einem Umweltgedanken heraus entstanden. Gerade auf den Kurzstrecken ist der Plug-In-Hybrid aber sehr gut.

Muss der Verkauf stärker als früher die individuellen Fahrprofile der Kunden im Blick haben?

Auf jeden Fall. Es gilt herauszufinden, welche die ideale Antriebsart für den jeweiligen Kunden ist. Für manche ist der Hybrid die beste Variante, für andere das reine Elektroauto und für gar nicht wenige weiterhin ein Auto mit Verbrennungsmotor. Wir sind aber in allen Bereichen gut aufgestellt.

Was lässt sich mit einem neuen Hybrid an Verbräuchen erreichen?

Das kann man nicht verallgemeinern. Bewegt man sich hauptsächlich im Stadt- bzw. Kurzstreckenverkehr, hat man um einen um die Hälfte niedrigeren Verbrauch als mit einem Verbrennungsmotor. Auf der Autobahn oder auf Bergstraßen bringt der Hybrid dagegen weniger.

PSA gehört ja nicht zu den Diesel-Sündern. Haben Sie den Dieselskandal trotzdem absatzmäßig zu spüren bekommen?

Das Thema wurde vor allem medial etwas aufgebauscht. PSA war unter den allerersten Herstellern, die den Dieselpartikelfilter serienmäßig verbaut haben und ist bekannt für seine guten Dieselmotoren. Wir standen daher nicht unter diesem Generalverdacht und hatten dadurch Vorteile. Mittlerweile hat kein Kunde mehr diesen Skandal im Kopf. Wir hatten jedenfalls keine merklichen Einbußen beim Absatz von Dieselfahrzeugen.

Wie hat sich das Verhältnis von Benzinern zu Dieselfahrzeugen verändert?

Sicher verstärkt hin zum Benziner. Das liegt aber auch daran, dass der Benzinmotor stark weiterentwickelt wurde und effizienter und besser zu fahren ist als früher. Die Nachteile gegenüber einem Dieselmotor sind verschwunden.

Welche Vorteile bieten Elektrofahrzeugen Firmenkunden?

Die Fahrzeuge sind zum einen vorsteuerabzugsfähig, zum anderen fällt der Sachbezug weg. Zudem gibt es interessante Leasingpakete mit Rücknahmegarantie des Herstellers.

Sie sind auch im Sportsponsoring aktiv. Was hat es damit auf sich?

Wir sponsern das Union Raiffeisen Radteam Tirol. Wir stellen drei Fahrzeuge für das Team. Ich bin selbst radsportbegeistert und Peugeot ist mit dem Radsport seit jeher eng verbunden, etwa über die Tour de France. Letztes Jahr haben wir zwei Kunden im Rahmen eines Gewinnspiels in einem Peugeot 508 nach Paris zur Tour de France geschickt. Das werden wir heuer auch wieder machen.

Öko-Themen stehen derzeit sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Das Automobil hat nicht zuletzt deshalb ein Imageproblem. Muss sich der Autohandel darauf einstellen, dass da eine Generation heranwächst, die eine höchst pragmatische Sicht auf das Auto und die Mobilität hat?

Man wird sich dem anpassen müssen, wobei ich das derzeit relativ entspannt sehe. Tirol ist ein Bundesland, aus dem das Auto und der Individualverkehr nicht wegzudenken sind. In Wien kann man die Sinnhaftigkeit eines Autos diskutieren. Wir sind für die Elektromobilität jedenfalls bestens gerüstet, sowohl was die Autos als auch die Werkstatt betrifft. Wir haben zwei ausgebildete Hochvolttechniker im Unternehmen, haben eine Ladestation mit zwei Säulen. Das man sich den Gegebenheiten anpassen muss, das war schon immer so. Und eine gewisse Veränderungsdynamik schadet nicht, weil sie Neues bringt.

Was macht Ihnen als immer noch verhältnismäßig junger Geschäftsführer am meisten Spaß an Ihrem Beruf?

Der Kontakt mit Kunden, vor allem mit zufriedenen Kunden, wie wir sie Gott sei Dank täglich erleben dürfen. Für uns ist es eine tolle Bestätigung, wenn wir unsere Kunden über viele Jahre hinweg halten können. Die Kunden gut zu bedienen und zufrieden zu stellen macht auf jeden Fall den größten Spaß.