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Theresa Mösl ist 23 Jahre und KFZ-Meisterin
Aus der Baustelle soll im Gewerbegebiet Navis bald eine fertige KFZ-Werkstatt werden
"Resis Garage" ist ein Traum der jungen Naviserin

Kleine Hände, großer Angriff

Geht es um Frauen in sogenannten Männerberufen, kommt oft die literarische Unart des gönnerhaften Geschreibes zum Tragen. Es ist schwierig, Klischees auszulassen, wenn man von zierlichen Frauen schreibt, die in Männerdomänen vordringen. Trotzdem oder gerade deshalb erzählen wir die Geschichte von Theresa Mösl, die sich in Navis mit „Resis Garage“ selbständig macht.  

02.04.2019 von Marian Kröll

„Ein Vorteil sind tatsächlich die kleinen Hände. Ich komme im Motorraum an viele Bereiche heran, die man mit größeren Händen nicht erreicht.“ Theresa Mösl

Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran. Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann“, hieß es dereinst bei der Berliner Liedermacherin Bettina Wegner. Gemeint sind damit natürlich Kinderhände. Was das mit Autos zu tun hat? Nicht das Geringste. Es hat aber etwas mit Theresa Mösl zu tun. Die ist den Kinderschuhen mit ihren 23 Jahren und einem KFZ-Mechaniker-Meisterbrief im Gepäck entwachsen, ihren überwiegend männlichen Kollegen in der Branche hat sie aber zumindest körperlich etwas voraus, was vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt als Vorteil durchgehen würde: Als Frau hat sie naturgemäß kleinere Hände als die meisten Männer. Das ist heutzutage beim mehr als dichten Programm, das sich im Motorraum moderner Fahrzeuge abspielt, alles andere als ein Nachteil. „Ein Vorteil sind tatsächlich auch die kleinen Hände. Ich komme im Motorraum an viele Bereiche heran, die man mit größeren Händen nicht erreicht.“

Die Zeit, als man mit dem Schraubenschlüssel bewaffnet zu Werke gehen konnte, ist längst vorbei. Ohne Diagnosegerät erfährt man meist gar nicht, wo es genau hapern könnte und die Fehlersuche droht zur Sisyphusarbeit zu werden. Technisch wird der Beruf immer anspruchsvoller, rohe Körperkraft ist dagegen weniger gefragt. Im Rahmen ihrer Meisterprüfung sei die LKW-Technik am anspruchsvollsten gewesen, erzählt Mösl. In Lehre und Berufsalltag im Autohaus Meisinger in Völs hat sie mit Schwerfahrzeugen nämlich nichts zu tun. Drucklufttechnik, Hydraulik und dergleichen spielen beim PKW eine vernachlässigbare Rolle.

Mösl ist in ihrem Job akribisch. Zu den reizvollsten Aspekten ihres Berufs gehört für sie die Diagnose in sogenannten Problemautos. Die definiert sie so: „Das sind Autos, die meist ein einzelnes Problem haben, das aber sehr schwer zu finden ist. Daneben gibt es natürlich auch klassische Montagsautos, die sehr häufig in der Werkstatt stehen.“ Um an die Wurzel der Probleme zu gelangen, ist oft langwieriges Nachforschen gefragt. Die junge Naviserin ist geduldig. Auch das hat sie vielen ihrer männlichen Arbeitskollegen voraus, deren Frustrationstoleranz und Beharrlichkeit geringer ist. „Meine Kollegen schmeißen manchmal recht schnell die Nerven weg. Da bin ich meist geduldiger“, sagt die Mechanikerin.

Verhaltener Beifall

Theresa Mösl ist Mechanikerin geworden, weil sie von klein auf mit Autos zu tun hatte und ihrem Vater – selbst Mechaniker – in der heimischen Garage interessiert zur Hand gegangen war. „Autos haben mir schon immer gefallen“, sagt sie. Mit ihrem Wunsch, eine Lehre zur KFZ-Mechanikerin zu beginnen, stieß sie anfangs im familiären Umfeld aber auf eher verhaltenen Beifall. „Die Familie war anfangs nicht begeistert und wollte es mir ausreden. Ich habe mir aber fest vorgenommen, die Lehre zu machen.“ Die Mutter warnt vor den ständig schmutzigen Händen, der Großvater war Volksschuldirektor und wünscht sich, dass die Enkelin weiterhin zur Schule geht und Matura macht. Ein Wunsch, der weit verbreitet und für die Lehre prinzipiell verhängnisvoll ist. Aber nichts da, Theresa Mösl hat sich durchgesetzt. Sie wurde Mechanikerin.

Die anfängliche innerfamiliäre Skepsis betreffend die Berufswahl hat mittlerweile dem Stolz auf die Tochter und Enkelin Platz gemacht. Jetzt geht Theresa Mösl den nächsten Schritt. Der wird sie nach und nach in die Selbständigkeit führen. Zunächst noch in Teilzeit. Im Gewerbegebiet unweit von Matrei am Brenner auf Naviser Gemeindegebiet steht eine große graue Halle. In ihr war zuvor die Spinnfabrik untergebracht. Es herrscht Baustelle. Bald wird Theresa dort an Autos aller Hersteller schrauben. Sobald die Genehmigung da ist, die der Vermieter einholen muss und sobald das Sprunggelenk, an dem sie sich Ende des vergangenen Jahres eine relativ komplizierte Verletzung zugezogen hat, sie wieder trägt. Am liebsten wäre ihr, es ginge bereits im März los. Ein enger Zeitplan. Der Name für die Unternehmung ist schon ausgesucht: Resis Garage. Kurz und bündig.

Ihren Arbeitsplatz im Autohaus Meisinger will Theresa Mösl zumindest mittelfristig nicht aufgeben. Untertags wird sie weiterhin in Völs Hand anlegen. In der 250 Quadratmeter großen Garage wird dagegen unter der Woche erst am späten Nachmittag das Licht angehen. Außerdem will Mösl am Freitag – da hat sie an ihrem regulären Arbeitsplatz frei – und am Samstag Vormittag arbeiten. Das ist ambitioniert, aber an Energie und Commitment scheint es der jungen Mechanikerin absolut nicht zu mangeln. Anfangs will sie das Projekt Selbständigkeit allein in Angriff nehmen und in der Folge je nach Arbeitsaufkommen jemanden in Teilzeit beschäftigen. Das ist der Plan. Details müssen sich erst noch herauskristallisieren.

Es gibt leise Zweifel bei Theresa Mösl, ob Männer ihren kostbaren fahrbaren Untersatz in die Hände einer Frau geben wollen. Bei Frauen als potenziellen Kunden plagen sie derartige Zweifel nicht. Resis Garage wird zwei Hebebühnen beherbergen, an denen parallel gearbeitet werden kann. Das Pickerl, offiziell §57a-Begutachtung geheißen, kann Mösl theoretisch selbst ausstellen, wird das aber zumindest zu Beginn noch über das Autohaus, in dem sie arbeitet, abwickeln. „Ich weiß, dass es vor allem am Anfang richtig zach werden kann“, ist sich Theresa Mösl der Herausforderung, die die Selbständigkeit mit sich bringt, wohl bewusst. Sie schickt aber gleich nach: „Wenn man es nicht probiert, findet man nie heraus, ob es funktioniert.“

Während sich Theresa Mösl in Völs überwiegend an den Japanern von Mazda und den Südkoreanern von Kia abarbeitet, wird Resis Garage eine freie Werkstätte sein. Eine, die sich auch der liegengebliebenen Fahrzeuge annehmen wird, die über die Brennerautobahn und die Brenner-Bundesstraße zu zigtausenden täglich hinauf- und hinabfahren. Dafür will Mösl noch einen eigenen Abschleppservice sowie einen Hol- und Bringservice anbieten. „Bei mir soll es in mancher Hinsicht anders ablaufen als in Werkstätten, die man gemeinhin kennt. Es soll nicht steril nach Werkstatt aussehen, sondern ich möchte einen Retro-Vintage-Look hineinbringen“, verrät die Meisterin die Marschrichtung. Derzeit ist noch Baustellenlook angesagt. Es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, bis in Resis Garage, die mit der Ästhetik vergangener Tage glänzen wird, eifrig geschraubt wird. Abends, freitags und samstags wird Theresa Mösl dort das tun, was sie am liebsten macht: Autos wieder flott machen.