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Junge Wilde

In der Autowelt Innsbruck dreht sich – wie der Name schon sagt – alles ums Automobil. Um den Nachwuchs braucht man sich dort keinerlei Sorgen zu machen. Und: Die Begeisterung fürs Auto ist auch bei jungen Menschen ungebrochen. 

08.01.2020 von Marian Kröll

Es gibt sie auch heute noch, die Jungen Wilden. Etwa in der Autowelt Denzel-Unterberger in Innsbruck. Dort brennen neun junge Menschen, die wir getroffen haben, für ihre Berufe rund ums Automobil.

Von den Jungen Wilden war erstmals in den 1920ern die Rede. Damals ging es um Physiker, die die Türen zu neue Sichtweisen in der Quantenmechanik weit aufstießen. Zu dieser Zeit wurde auch im Automobilbereich geklotzt statt nur gekleckert. Für Autos waren die Goldenen Zwanziger zweifellos eine gute Zeit. 

Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben, die technologische Entwicklung schreitet voran, wir stehen an der Schwelle zu neuen Formen der Mobilität, wie sie sich etwa im Autonomen Fahren ankündigen. Das Auto der Zukunft wird sich verändern, dabei aber für sehr viele Menschen bleiben, was es ist: nämlich viel mehr als ein fahrbarer Untersatz. Eine Emotionsmaschine, die dafür sorgt, dass Autofahren mehr als bloße Fortbewegung von A nach B bleibt. Und es gibt sie auch heute noch, die Jungen Wilden. Etwa in der Autowelt DENZEL UNTERBERGER in Innsbruck. Dort brennen neun junge Menschen, die wir getroffen haben, für ihre Berufe, ja eigentlich Berufungen rund ums Automobil. Klar, das Business ist insgesamt nach wie vor eine Männerdomäne. Was aber nicht heißt, dass nicht auch Frauen ihren – pardon – Mann stehen können. So wie Michaela Pilinger, die in der Spenglerei werkt und damit in einem Bereich, in dem besonders wenige Frauen tätig sind. 

Michaela Pilinger

Bevor sie ihre Berufung als Karosseriespenglerin gefunden hat, schloss Michaela Pilinger eine Lehre zur Konditorin ab. Nicht, weil sie das unbedingt wollte, sondern weil der 24-jährigen Autonärrin in der Branche als Jugendliche, die sich um einen Ausbildungsplatz beworben hatte, noch niemand eine Chance gab. „Ich wollte unbedingt mit Autos arbeiten, und wenn ich etwas will, dann bekomme ich es eigentlich immer“, sagt sie heute durchaus selbstbewusst. Und ein bisschen Selbstbewusstsein schadet nicht, wenn man in der Spenglerei unter lauter Männern reüssieren will. Die Jahre, die sie in der Konditorlehre verbracht hat, seien ebe  jene Jahre gewesen, die es gebraucht habe, bis Frauen in der Spenglerlehre akzeptiert worden seien, meint Michaela, die bis zum ersehnten Lehrabschluss noch eineinhalb Jahre vor sich  hat. „Ich bin wirklich autofanatisch. Aufs Lackieren freue ich mich besonders“, sagt Michaela, die sich vor allem für den Tuningbereich begeistern kann und sich mit dem nicht ganz simplen Lackieren von Aluteilen vertraut machen will. Anfangs sei es für manchen Mann noch schwer gewesen, sie zu akzeptieren. Das hat sich mittlerweile aber grundlegend geändert, von den Kollegen wird die angehende Spenglerin respektiert und geschätzt, ohne dabei mit Samthandschuhen angefasst zu werden: „Ich hatte es noch nirgends so fein wie hier.“ Auch in der Berufsschule ist sie derweil noch die einzige Frau und musste sich anfangs erst den nötigen Respekt verschaffen. 

Helmuth Lang

Helmuth Lang ist mit Autos aufgewachsen. Das Reparieren wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Der Vater ist selbst Mechaniker und führte lange einen eigenen Betrieb. Bis 2016 war Helmuth dort tätig, unter anderem als Werkstattleiter. Gleich nach dem Wehrdienst macht er die Meisterprüfung. „In einem großen Betrieb macht ein Mechaniker nicht nur Service, sondern auch heikle Sachen“, weiß der mittlerweile 32-Jährige, den es durchaus reizt, knifflige Probleme zu lösen. „Ich möchte stärker in Richtung Diagnose und neue Antriebstechnologien gehen. Es wird zum Beispiel ein großer Bedarf für Akkureparaturen entstehen.“ Dass er es so richtig drauf hat, hat Helmuth schon mehr als einmal – im In- und Ausland – als mehrfacher Wettbewerbssieger eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zweimal war er unter anderem als Österreich-Sieger in Korea, etwa bei der Weltmeisterschaft für Hyundai. Für ihn ist es ein Ansporn, sich mit den Besten der Welt zu messen. „Man weiß dann, wo man mit seinem Wissen wirklich steht“, so der Meister, der sein Erfolgsrezept verrät: „Man muss sich wirklich detailliert für die Materie interessieren und immer am Ball bleiben.“

 

Michael Lechner

Michael ist der Spätzünder unter den Autowelt-Mechanikern. Seine Lehre hat er mit 24 Jahren begonnen. Davor hat er Matura gemacht und anschließend vier Jahre lang Biologie studiert. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich das nicht mein Leben lang machen will.“ Es sollte also etwas Technisches werden. Seit eineinhalb Jahren ist Michael ausgelernt. Vorerst. Die Meisterprüfung ist das nächste große Ziel, der Masterplan sozusagen. Alles Weitere lässt er auf sich zukommen. Sein berufliches bzw. studientechnisches „Vorleben“ hat ihm vor allem eines gebracht: „Ich habe dadurch ganz genau gewusst, dass ich das hier wirklich will.“ 

Leonhard Buchauer

Zur Gattung der Spätberufenen gehört auch Leonhard Buchauer. Der Mittdreißiger ist der Älteste der Jungen Wilden aus der Autowelt. Sein Reich ist seit rund einem Jahr das Gebrauchtwagen-Kompetenzzentrum im Erdgeschoss des Betriebsgebäudes. Der Quereinsteiger und gelernte Elektriker hat zuvor mehr als 17 Jahre in einer Elektrofirma in Innsbruck gearbeitet. „Ich wollte schon ewig in den Autoverkauf, weil ich selbst viele Autos gehabt habe, mit denen ich auch gehandelt und Geld verdient habe“, sagt Leonhard, der sich bei den Gebrauchten viel Expertise erarbeitet hat und sich dort sehr wohl fühlt. Davon zeugen auch die eindrucksvollen Verkaufszahlen (> 100 Autos) des Jung-Gebrauchtwagen-Verkäufers, der von Geschäftsführer Andreas Resch als ehrgeizig und extrem gut im Umgang mit den Kunden gelobt wird. „Am Gebrauchtwagensegment reizt mich die Vielfalt. Man muss sich bei vielen Dingen –  auch im Eintausch und Ankauf – einfach gut auskennen. Gebrauchtwagen sind außerdem kaum vergleichbar“, erklärt Leonhard, der beruflich angekommen zu sein scheint.

Hannes Pletzer

Hannes hat seinen Einstieg in die Welt der Automobile 2007 als Mechanikerlehrling gemacht. Aus der Werkstatt hat er nach dem Zivildienst in den Kundendienst gewechselt, weil ihn das rein Handwerkliche nicht zu hundert Prozent erfüllt hat. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber hat er bereits organisatorische Aufgaben übernommen und nun zunehmend auch in der Autowelt. Der junge Mann fungiert mit seinem technischen Know-how gewissermaßen als Schnittstelle zwischen Kunde und Werkstatt. „Ich habe sowohl mit dem Kunden als auch mit der Werkstatt viel zu tun“, sagt er. Vor kurzem hat er die Prüfung zum Lehrlingsausbilder gemacht und ist seit September für die Lehrlinge – es sind deren mehr als zehn – und deren qualitativ hochwertige Ausbildung zuständig. „Das ist eine wichtige Aufgabe, schließlich sind es im Idealfall die Lehrlinge, die zukünftig den Betrieb weitertragen.“ Dabei geht es auch um Teambuilding.

Zusammenhalt wird in der Autowelt überhaupt großgeschrieben. Dementsprechend sagt Hannes: „Es ist unser größtes Ziel, die Leute nach ihrer Ausbildung bei uns im Betrieb zu halten.“ Das größte berufliche Ziel des 27-jährigen ist es, irgendwann seinen Vater Johannes als Serviceleiter im Unternehmen zu beerben. Die Richtung der zukünftigen Führungskraft dürfte jedenfalls stimmen.

Wolfgang Pichler

Der 20-jährige Verkaufsassistent für Jaguar und Land Rover stammt aus dem Stubai und weiß beruflich ganz genau, was er will. Nach dem Gymnasium wechselt der gute Schüler in den Maschinenbau-Zweig der HTL in Innsbruck, schließt diese mit sehr gutem Erfolg ab und verstärkt nach dem Zivildienst das Autowelt-Team. „Mein Vater ist Mechaniker, schon als kleiner Bub gab es für mich wenig anderes wie Autos. Mein erstes Wort war Auto.“ Als Allzweckwaffe schnupperte Wolfgang nach dem Einstieg in fast alle Unternehmensbereiche hinein. Privat fährt der junge Mann auch gerne einen heißen Reifen, wie die mehrmalige und erfolgreiche Teilnahme am Racing Rookie zeigt. „Rennfahrer ist ein Kindheitstraum und wird auch immer einer bleiben“, sagt er. Wolfgang sieht sich in erster Linie als Verkäufer. In diesem Bereich gebe es extrem viel zu lernen. „Irgendwann möchte ich die Verkaufsleitung übernehmen und sehe mich langfristig in einer führenden Position. Da möchte ich hin“, formuliert er seine ehrgeizigen Ziele. Die Grundvoraussetzung kennt der Stubaier: harte Arbeit, fundiertes Wissen und einen respektvollen Umgang mit Kunden und Kollegen.

 

Philipp Langer

Der 20-jährige Karosseriespengler absolviert gerade seinen Zivildienst. Nach dem Polytechnischen Lehrgang hat Philipp zuerst in der Autowelt-Werkstatt geschnuppert. Weil dort gerade keine Lehrstelle frei war, fing er in der Spenglerei an. Und hat das nicht bereut. „Mir gefällt am Lackieren der künstlerische Aspekt. Und, dass man die Dinge nach einem Schaden wieder makellos herrichten kann“, erklärt er. Auch Philipp strebt nach Höherem, will den logischen nächsten Schritt machen, die Meisterprüfung. Und vielleicht irgendwann sogar einen eigenen Betrieb gründen. Davor will er aber noch ausreichend Berufserfahrung in der Autowelt  sammeln. 

Maximilian Pfeil

Maximilian ist einer der ersten, der das Autoverkäufer-Handwerk wirklich von der Pike auf gelernt hat. Konkret im Rahmen seiner Lehre zum Automobilkaufmann, die es erst seit 2016 gibt. Ursprünglich hat der aus der Nähe von Frankfurt stammende junge Mann eine Ausbildung in der Villa Blanka begonnen und dabei entdeckt, dass Gastronomie nicht das Seine ist. „Ich habe mich schon immer für Autos interessiert, deshalb lag dieser Beruf nahe“, sagt Maximilian, der nach Absolvierung eines vierwöchigen Praktikums in der Autowelt geblieben ist. Seine Lehrabschlussprüfung hat er im Sommer mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden. „Am wichtigsten ist es in meinem Beruf, Einfühlungsvermögen zu haben, kontaktfreudig zu sein und vor allem gut zuhören zu können. Technisches Wissen kann man sich aneignen, Empathie nicht“, sagt Maximilian, der offen auf die Kunden zugeht. Derzeit ist er Verkaufsassistent. Beruflich will Maximilian in einigen Jahren so weit sein, auf Provisionsbasis zu arbeiten und dem Verkaufsdruck, der in der Branche nun einmal herrscht, standzuhalten. Über das Rüstzeug dafür dürfte er jedenfalls durch sein Wesen und seine fundierte Ausbildung verfügen. 

Lukas Schlinger

Den 25-jährigen Wiener, der ursprünglich die Doppellehre zum Büro- und Bankkaufmann absolviert hat und aus der Finanzbranche kommt, hat es der Liebe wegen nach Tirol gezogen. „Ich wollte in die Natur, habe mich in Wien wie in einem goldenen Käfig gefühlt“, sagt Lukas, der auch einmal bei einer Fernsehshow für Models mitgemacht hat. Lukas arbeitet seit knapp über einem Jahr als Product Genius – das sind die Auskenner und Organisierer rund um den Autokauf – für Jaguar und Land Rover (JLR) in der Autowelt. „Ich mache jeden Tag etwas anderes und bin sehr gerne da. Zu einem Viertel bin ich Verkäufer, zu einem Viertel Spezialist, ein Viertel fürs Organisatorische da und zu einem Viertel dazu, dass sich die Kunden im Schauraum wohl fühlen.“ Mit dem Verkaufsleiter harmoniert der Wiener bestens, der Teamspirit passt. „Unter den Kollegen gibt es generell einen sehr guten Zusammenhalt. Alle sind darauf fokussiert, für den Kunden die beste Lösung zu finden“, sagt Lukas, der  – sollte er langfristig in Tirol bleiben – einmal Verkaufsleiter für JLR werden möchte. Der Exil-Wiener liebt auch privat das Autofahren und kennt sich mittlerweile perfekt mit den Fahrzeugen von Jaguar und Land Rover aus. 

Totgesagt wurde es ja schon öfter, das Auto. Anders als in manch anderer Branche gibt es aber im Autohandel, exemplarisch in der Autowelt DENZEL UNTERBERGER, noch junge, hungrige Nachwuchshoffnungen, die sich Tag für Tag in ihren Berufen beweisen. Sie alle eint eines: Sie brennen für das Thema Automobil, und zwar ungeachtet der Antriebsart. Das Auto bleibt Faszinosum und ein Objekt, das weit über seine reine Funktion hinausreicht. Kurz gesagt: Der Autohandel liegt nicht im Sterben. Er ist am Leben. Alive, alive and kicking!