Das Auto- und Mobilitäts-OnlineMagazin
Kommerzialrat Fritz Unterberger ist Chef und Gründer der Unterberger Gruppe
"Ich bin Workaholic, zu später Stunde jedoch auch Genussmensch", Fritz Unterberger
Fritz Unterberger liebt schnelle Autos, insbesondere Oldtimer, und fährt gerne Rallyes
Dieses Mal war Dagmar Wresnik in ihrem Morgan mit Fritz Unterberger Richtung Hungerburg unterwegs. Um das Cabriofeeling genießen zu können, haben die beiden die Fahrt bereits im Herbst bei strahlendem Sonnenschein unternommen.

Über Autos, Gin und andere Geheimnisse

Mit einem herrlichen Sound blubbert der Morgan hinauf zur Hungerburg. Eine Ausfahrt mit Fritz Unterberger ist nicht nur amüsant, sondern führt auch zu einer philosophischen Unterhaltung. Das Gespräch über das Leben, die Tiroler Wirtschaft und Autos endet nicht, als wir am Hermann-Buhl-Platz vor der Bergstation der Hungerburgbahn ankommen, sondern geht am Fuß der Nordkette bei einer lebhaften und leidenschaftlichen Diskussion weiter.

05.02.2018 von Dagmar Wresnik

"Ich bin bekannt dafür, dass ich manchmal sehr cholerisch sein kann"

Kommerzialrat Fritz Unterberger ist Chef und Gründer der Unterberger Gruppe. Angefangen hat er als Autoverkäufer. Bereits zehn Jahre später hat ihn sein Unternehmergeist in die Selbstständigkeit geführt: Im Jahr 1976 eröffnete er in Kufstein sein erstes Autohaus. Viele Menschen verbinden ihn noch heute mit Autos, obwohl er schon lange in der Immobilienbranche tätig ist. Das Geschäft im Automobilbereich hat er an seine drei Söhne übergeben. In Tirol ist er zudem für sein Engagement als Vorstand der Tiroler Adler Runde bekannt (und gefürchtet). Er ist nicht gerade zimperlich, als Mensch und Freund jedoch beliebt und geschätzt.

Der Erfolgreiche

Wie andere erfolgreiche Unternehmer ist auch Fritz Unterberger umtriebig und fleißig; zudem wird er als kreativ, dynamisch, mutig und authentisch beschrieben. Seine Karriere startete er mit einer kaufmännischen Lehre in einem Autohaus. Heute ist er ein beschäftigter Unternehmer und Manager. Derzeit arbeitet er an 32 Projekten gleichzeitig. E-Mail, Laptop, iPad und Co. sind nicht sein Ding, dafür hat er eine Sekretärin. Wenn es um die technische Ausstattung geht, reichen ihm Handy und Auto.

eco-mobil: Sie beschäftigen sich heute beruflich weniger mit Autos denn mit Immobilien. Worin genau liegt Ihre Tätigkeit?

Fritz Unterberger: Unser Unternehmen befasst sich überwiegend mit gewerblichen Immobilien und zum Teil auch mit reinen Wohnbauprojekten. Unsere Immobilienbeteiligungen liegen im Bereich Handelsimmobilien – vor allem Fachmärkte –, darunter einige Gastronomiebetriebe inklusive einem Stadthotel, wie sind unter anderem aber auch an einem Golfplatz, Energiehauspark und Entertainment-Zentrum beteiligt.

Wie und wann haben Sie die Branche gewechselt?

Seit der Übergabe des Automobilbereichs an meine Söhne, die bereits vor 15 Jahren erfolgt ist, befasse ich mich ausschließlich mit Immobilien und Beteiligungen.

Sie engagieren sich in der Tiroler Adler Runde als Vizepräsident. Warum ist das für Sie so wichtig?

Die Tiroler Adler Runde ist eine Plattform mit rund 42 namhaften Tiroler Unternehmern. Ziel und Aufgabe ist es, den Wirtschaftsstandort Tirol zu stärken und mitzugestalten und nicht nur zu kritisieren und zu nörgeln. Wobei ich den Slogan „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“ nach wie vor mittrage.

Sind sie eine gute Führungskraft?

Ich bin bekannt dafür, dass ich manchmal sehr cholerisch sein kann, wobei sich das mit zunehmendem Alter etwas relativiert hat. Ansonsten bin ich als Führungskraft gerecht und sozial – der Beweis dafür sind sicherlich auch die große Anzahl unserer sehr lang gedienten Mitarbeiter, mit denen ich auf Augenhöhe diskutiere. Ich bin der Überzeugung, dass Führungskräfte Vorbilder sein müssen, dass man mit Mitarbeitern ehrlich umgehen und stets ein offenes Ohr für deren Anliegen haben sollte. Jeder der Erfolg haben will, muss seine Mitarbeiter nach dem Motto „Geben und Nehmen“ schätzen.

Was halten Sie von den Eigenschaften Macht und Ehrgeiz?

Ehrgeiz in Maßen erachte ich als sehr positiv und Macht braucht Kontrolle.

Sind Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn auch einmal gescheitert?

Da ich doch jahrzehntelang erfolgverwöhnt war, hatte ich im Jahr 2003 anscheinend einen kurzen Zustand der geistigen Umnachtung, als ich mit einigen Partnern die Firma Kneissl übernommen habe, wobei ich nach fünf Jahren bereits 100-Prozent-Eigentümer des Unternehmens war. Bei dieser Übernahme ist es mir trotz enormer Kraftanstrengung und Einsatz nicht gelungen, die Firma zu sanieren und ich war fast erleichtert, als ich als neuen Investor den „sagenhaft reichen“ Scheich Al Jaber gewinnen konnte. Stolz bin ich trotz dieser negativen Erfahrung, die mir eine Zeit lang Schlafschwierigkeiten bereit hat, dass ich sämtliche Schulden zur Gänze begleichen konnte und somit kein einziger Lieferant und keine Bank auch nur einen Euro verloren hat. Am Ende waren es dann doch rund 15 Millionen Euro, die bedient werden mussten.

Welche Herausforderungen warten jetzt noch auf Sie?

Meine Herausforderungen werden sich in den nächsten Jahren darauf konzentrieren, dass meine Söhne den Bereich Immobilien nach und nach übernehmen bzw. ich auch meine externen Führungskräfte vermehrt in die komplette Betriebsführung und -verantwortung einbeziehe, um meinen Ruhestand in den nächsten drei bis fünf Jahren entgegensehen zu können.

Der Genussmensch
 
Er liebt das Leben und weiß, wie man es genießt. Vor allem schnelle Autos und gutes Essen und Trinken gehören für Unterberger dazu. Er spielt leidenschaftlich gerne Karten und getreu dem Motto „good days start with coffee“ kann er den Tag nicht ohne Kaffee beginnen. Am Abend trinkt er lieber Gin. Hinter seiner gemütlichen und sympathischen Art verbirgt sich aber auch ein konsequenter und disziplinierter Geschäftsmann.

Was bedeutet Genuss für Sie?

Genuss ist für mich, wenn ich am Abend nach der Arbeit mit meinen Freunden bei einem guten Glas Wein Gespräche führen kann. Genuss ist für mich aber auch Kartenspielen, was ich leidenschaftlich gern mache. Am liebsten bin ich beim Latinern. Es ist ein anspruchsvolles Spiel, bei dem man gewisses Denkvermögen braucht und das auch wirklich Spaß macht.

Welchen Wein bevorzugen Sie?

Grundsätzlich weiß, zu passenden Speisen auch rot.

Und warme Getränke? Lieber Kaffee oder Tee?

Kaffee! Ohne Kaffee geht bei mir gar nichts. Ein guter Tag beginnt bei mir immer mit einem Espresso. Mein erster Weg nach dem Aufstehen geht deshalb zur Espresso-Maschine.Was ist Ihr Lieblingsessen, was Ihr Lieblingsgetränk?

Guter Fisch mit einem Glas Grünen Veltliner.

Wirklich? Ich dachte, dass Sie gerne Steak essen und besonders gerne Gin trinken. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Ich esse gerne Steak – eigentlich habe ich mehrere Lieblingsspeisen. Und Gin trinke ich auch sehr gerne, besonders Hendrick’s.

Was haben Sie mir noch verschwiegen? Welche Sünden haben Sie noch?

Das ist mein großes Geheimnis.

Das klingt nach schönen Frauen. Wie stehen Sie zu Frauen?

Ich arbeite gerne mit Frauen. Sie haben einen ganz anderen Zugang zu Problemen. Sie ticken anders – Männer auch! Das verursacht eine wunderbare Ergänzung, nicht nur bei Lösungsansätzen.

Sie sind der Frage schön ausgewichen. Also gut: Wie stehen Sie zum Thema Gender?

Ich bin sehr für eine Frauenquote.

Welchen Sport betreiben Sie, um die Genüsse wieder abzubauen?

Ich bin gerne am Berg unterwegs, liebe meine Fischerei und spiele manchmal schlechtes Golf.

Der Autonarr

Fritz Unterberger liebt schnelle Autos, insbesondere Oldtimer, und fährt gerne Rallyes. Gemeinsam mit seinen Söhnen besitzt er 20 Oldtimer in einem kleinen Museum im Stammhaus in Kufstein. Er fährt nicht mehr so viel und nicht so schnell wie früher. Im Winter ist er lieber mit dem Zug unterwegs. Er hat das Alter erreicht, wo er viele Sünden der Jugend nicht mehr begeht. Einmal wurde ihm sogar der Führerschein abgenommen. Doch nicht wegen Schnellfahrens, sondern aufgrund „Diskutierens“ und „Widerstand gegen die Staatsgewalt“.

Was fahren Sie für ein Auto?

Zurzeit einen BMW 750, einen Vorführwagen.

Welches Auto darf man als erfolgreicher Unternehmer in Österreich fahren?

Da wir laufend neue Modelle unserer zehn Automarken, die wir vertreten, in unseren Autohäusern im Portfolio haben, darf ich ohne Neid zu erwecken häufiger mein Fahrzeug wechseln.

Was war Ihr erstes Auto?

Mit 18 Jahren war mein erstes Auto ein Opel Kadett, hellblau.

Was sind Sie für ein Autofahrer?

In meinen Jugendjahren war ich ein relativ aggressiver Autofahrer, bin jedoch im Laufe der Jahre ruhiger geworden. In letzter Zeit bekomme ich fast keine Strafen mehr. Früher habe ich die ganze Zeit telefoniert, jetzt kommt langsam die Gelassenheit …

Was ärgert Sie an anderen Autofahrern?

Das permanente Linksfahren.

Ist der „100er“ auf der Autobahn sinnvoll?

Der IG-L-100er ist für mich eine Geldabzocke. Bei dem extrem hohen LKW-Verkehrsaufkommen ist sowieso kein Rasen mehr möglich. Ich vertrete die Meinung, dass man Geschwindigkeitsbeschränkungen einführen sollte, die sich nach dem Verkehrsaufkommen richten, um bei geringem LKW-Verkehr wieder normal (Tempo 130) fahren zu können.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Mobilität aus?

Das Elektroauto, vor allem das Hybridauto, ist für mich ein Teil der Zukunftsmobilität. Welche Antriebsform sich durchsetzen wird, wissen nicht einmal die besten Autoexperten. Für Großstädte ist das Elektroauto sehr wohl eine gute Alternative. Die Dummheit der Politiker, nur den Diesel zu verbieten, ist eigentlich schon bedenklich. Die Hauptverursacher, wenn es um Schadstoffe geht, sind nach wie vor Hausbrand, Schwer- und Flugverkehr sowie Landwirtschaft.